Kurz?

Wir sind eine Gruppe für den Ausbau nachbarschaftlicher Angebote im Dresdner Stadtteil Strehlen. Für ein Dach über dem Kopf haben wir einen Nutzungsvertrag für Räumlichkeiten im Frauenbildungshaus in Strehlen, die wir zu einem Stadtteilraum für Alle umbauen. Damit möchten wir einen frei zugänglichen Ort bieten für Vernetzung, sowie jegliche Arten von Veranstaltungen (z.B. Seminare, Ausstellungen, Tauschbörsen, Kochen und Essen, Kurse, Vorträge).

Der Raum (sowie der Verein und die Gruppe dahinter) möchte für Hilfsbereitschaft, Diskussionsfreude, Toleranz, Hierarchiefreiheit, Zwanglosigkeit und Spaß stehen. Ein respektvoller Umgang miteinander, gegenseitige Wertschätzung, Wohlwollen und Verständnis füreinander sind hierfür grundlegend, denn wir befinden uns in einem ständigen Lernprozess.

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Mitmachen? Unterstützen?

Wir freuen uns immer über tatkräftige Unterstützung bei der Realisierung von Projekten, bei der Arbeit im Hintergrund, über Ideen, einfach über alle, die unsere Ziele mit uns teilen und sich für eine lebendige Nachbarschaft engagieren wollen. Auch finanzielle Unterstützung (Fördermitglieder) ist für unsere Arbeit wichtig.

Was für ein Problem haben wir gesehen?
Warum haben wir uns gefunden?

In Strehlen gibt es kaum Gelegenheiten, bei denen sich die Menschen kennenlernen, austauschen und vernetzen können. Besonders für Zugezogene aus anderen Stadtteilen, dem Umland oder anderen Orten ist es schwer, Anschluss zu finden und sich damit auch langfristig in Strehlen wohlzufühlen.

Die großen Prozesse des Gestaltens auf globaler – aber auch nationaler – Ebene nehmen schnell unübersichtliche Ausmaße der Komplexität an und schrecken Menschen ab. Viele Menschen sehen sich nach Einfachheit und Eindeutigkeit. Dabei muss Komplexität, Vielfalt und Uneindeutigkeit nichts Negatives sein. Diese Eigenschaften, die im Englischen mit „ambiguity“ zusammengefasst werden haben eher abgenommen und gehörten sogar schon immer zur Geschichte menschlicher Entwicklung und zum Leben dazu (Thomas Bauer, 2018).

Die Zeiten von Corona haben wieder einmal mehr gezeigt, dass sich Menschen mit verschiedenen Lebens-Vorstellungen zunehmend segregieren, ein Diskurs immer seltener wird, da die Berührungspunkte seltener werden. Zunehmende Vereinzelung, (Gentrifizierung) und Rückzug ins Private prägen auch in Strehlen den Alltag. Hier leben viele Menschengruppen mit verschiedenen Vorstellungen beziehungsweise Ansprüchen an die Art der Wohnraumqualität, mit der sie leben wollen. Der Stadtteil strotzt vor Diversität der Generationen, kulturellen Hintergründe, Y, Z, doch ist diese Diversität in der Nachbarschaft kaum zu sehen.

Den Menschen fehlt ein Begegnungsraum, sowie kulturelles Angebot, ein Ort, an dem sie ihre Ideen umsetzen können. Mehr und mehr junge, engagierte Menschen ziehen in die Neustadt oder andere Stadtteile, in denen sie vielfältigere Angebote finden. Der Gedanke selbst etwas vor Ort aufzubauen und zu ändern wird schnell verworfen. Deswegen denken wir, dass es besonders wichtig ist, solche Möglichkeiten auf lokaler Ebene zu schaffen, da hier die Schwelle zum Mitmachen besonders niedrig ist und leichter positive Erfahrungen erreicht und Erfolge gefeiert werden können. Vielfalt, Mehrdeutigkeit und Veränderung könnten dann ihren einschüchternden Charakter verlieren und ein Genuss werden.

Wie soll das KuRSiF etwas daran ändern?

Das KuRSiF kann Barrieren und Hemmnisse abbauen, indem sich hier Menschen mit -und auch ohne- Ideen und Ambitionen treffen und austauschen. Dafür bietet das KuRSiF einen selbstverwalteten, nicht profitorientierten Raum (beispielsweise in Form eines Cafés) wo es um Nachbarschaft und die Gestaltung Strehlens, aber auch alle am Angebot Interessierten von außerhalb Strehlens geht. Ehrenamtliche Initiativen, andere Projektgruppen oder Interessensgemeinschaften finden hier einen Platz, an dem sie sich treffen können, genauso wie lokale Künstler*innen, die ihre Kunst ausstellen wollen. Genauso wie ein Raum geboten wird, an dem Menschen gemeinsam musizieren und Musikerinnen musikalische Bildungsangebote schaffen und Personen, die Sprachkurse, Workshops, Vorträge oder ähnliche Bildungsangebote realisieren können.

Raum verstehen wir nicht als Container, in dem etwas ist, sondern als soziales Konstrukt, das sich verändert und durch die Menschen entsteht, die ihn nutzen, besuchen, oder einfach nur kennen. Dementsprechend hoffen wir, dass die Wirkung des Raumes und unserer Projekte über die Grenzen des Raumes hinauswachsen. Wir glauben an ein Recht auf Stadt und sehen auch im öffentlichen Raum eine mögliche Fläche für Projekte im Sinne des Vereins.

Wir glauben, dass die Befähigung zur Teilhabe und das damit verbundene Gefühl der Mitgestaltungsmöglichkeit ein zutiefst friedenstiftender Wert ist. Souveräne Menschen brauchen einen niedrigschwelligen Raum zum Ausprobieren dieser gesellschaftlichen Mitgestaltung, positive Erlebnisse oder manchmal einfach Kontakt zu Menschen mit ähnlichen Zielen, um erste Schritte zu wagen. Uns ist wichtig, dass Menschen in diesem Ausprobieren Selbstwirksamkeit erleben und dadurch anfangen, sich stärker in die Gesellschaft einzubringen.

Wie arbeiten wir als Gruppe?

Jede Woche Treffen wir uns zum Plenum, also einer Besprechung. Hier werden Informationen zu allem ausgetauscht, was gerade im, um und für das KuRSiF passiert. Und hier entscheiden wir gemeinsam, wenn es etwas zu entscheiden gibt. Dabei freuen wir uns über jede Person, die mitreden möchte, alle Stimmen zählen gleich und alle Bedenken werden gehört.

Das Plenum ist auch der Ort, an dem wir über neue Projekte reden.

Die organisatorischen und planerischen Aufgaben teilen wir in Arbeitsgruppen (AGs). Dort engagieren sich die Menschen, die Zeit und Lust haben. Die Möglichkeiten, sich einzubringen sind sehr vielseitig und fühlen sich nicht alle nach Arbeit an.

Keine Person muss Aufgaben übernehmen. Du musst gar nichts!

Wer keine Zeit und/oder Lust hat, Aufgaben zu übernehmen, ist genauso willkommen, wie jene, die gerade viele Aufgaben übernehmen können. Es klingt vielleicht ungewohnt, aber:

Bevor wir uns übernehmen, passiert hier besser nichts. Damit wir langfristig Spaß haben setzen wir nicht auf Druck, Stress und Wettkampfdenken. Es ist Teil des Projektes, dass auch wir uns wohlfühlen. Wir versuchen auch regelmäßig Gruppentage zu machen, damit wir uns besser kennenlernen. Dabei versuchen wir auch manchmal Fähigkeiten auszutauschen und immer wird gegessen.

Einmal im Monat gibt es außerdem ein Feedback-Café. Das Treffen dient der Reflexion über den letzten Monat und ist auch für Vereinsexterne offen. Gibt es keine Beschwerden und Bedenken, suchen wir auch nach dem, was in Zukunft zu Problemen führen könnte und versuchen unangenehmen Situationen und Dynamiken vorzubeugen.

Der Name

KuRSiF steht als Abkürzung für Kultur-Raum Strehlen im Frauenbildungshaus und spielt bewusst auf sogenannte Kursive an. Bei diesen Schriftarten werden die Buchstaben – wie z.B. in der Schreibschrift und dem Arabischen (kursiv=مائل) – verbunden (Waldow, 1884, S. 31). KuRSiF steht also für mehr Verbundenheit und Schönheit im Stadtteil.

  1. Waldow, A. (1884) Illustrierte Encyklopädie der graphischen Künste: Leipzig.
  2. Thomas Bauer (2018) Die Vereindeutigung der Welt – über den Verlust an Mehrdeutigkeit und Vielfalt. 13, edn. Stuttgart: Reclam.